Beate Landefeld
Lenin schrieb 2013 den Artikel ‚Kapitalismus und Arbeiterimmigration‘. An den Anfang stellte er die Wahrnehmung, der Kapitalismus habe „eine besondere Art der Völkerwanderung“ entwickelt. Höhere Löhne in den entwickelten Ländern lockten Arbeiter aus zurückgebliebenen Ländern an, die auf diese Weise in ferne Länder verschlagen und gewaltsam in den Kreislauf des fortgeschrittenen Kapitalismus hineingerissen würden. Dann bewertete Lenin die Migration auf folgende Weise:
„Es besteht kein Zweifel, dass nur äußerstes Elend die Menschen veranlasst, die Heimat zu verlassen, und dass die Kapitalisten die eingewanderten Arbeiter in gewissenlosester Weise ausbeuten. Doch nur Reaktionäre können vor der fortschrittlichen Bedeutung dieser modernen Völkerwanderung die Augen verschließen. Eine Erlösung vom Joch des Kapitals ohne weitere Entwicklung des Kapitalismus, ohne den auf dieser Basis geführten Klassenkampf gibt es nicht und kann es nicht geben. Und gerade in diesen Kampf zieht der Kapitalismus die werktätigen Massen der ganzen Welt hinein, indem er die Muffigkeit und Zurückgebliebenheit des lokalen Lebens durchbricht, die nationalen Schranken und Vorurteile zerstört und Arbeiter aller Länder in den großen Fabriken und Gruben Amerikas, Deutschlands, usw. miteinander vereinigt.“[1]
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David Harvey: Der neue Imperialismus. VSA-Verlag 2005. (236 S.)
Das Buch des in der Anti-Globalisierungsbewegung vielgelesenen Autors erschien zuerst 2003 bei Oxford University Press. Ausgangspunkt ist der damals beginnende Irakkrieg. Hertha Däubler-Gmelin meinte 2002, die Bush-Regierung versuche, durch gewagte Unternehmungen im Ausland von innenpolitischen Problemen abzulenken, eine Taktik, die schon von Hitler bekannt sei. Leider, bedauert Harvey, habe der zweite Teil ihrer Aussage, der die Forderung nach ihrem Rücktritt zur Folge hatte, jede ernsthafte Diskussion des ersten Teils verhindert. Harvey beschreibt die damalige innere Situation der USA als “prekär, wie seit langem nicht mehr. Die Rezession… wollte nicht vorübergehen. Die Arbeitslosigkeit stieg… Es regnete Firmenskandale … Aktien und andere Vermögenswerte stürzten ab…Rentenfonds verloren…(an)Wert…die USA wurden zum größten Schuldnerstaat aller Zeiten … (Der Präsident) war… eher… vom Obersten Gerichtshof gewählt … als vom Volk.”(20f)
Zudem gab es seit langem massive geopolitische Interessen der USA in Nahost, die mit diversen Formen der Einmischung nicht nur im Irak verfolgt wurden. Harvey schildert kenntnisreich die Aktivitäten des US-Imperialismus in dieser Region und empfiehlt, die Ölfrage aus einem größeren Blickwinkel zu betrachten: ”Wer immer den Mittleren Osten kontrolliert, kontrolliert den globalen Ölhahn, und wer immer den globalen Ölhahn kontrolliert, kann zumindest in naher Zukunft die Weltwirtschaft kontrollieren.” (26)
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